c't Digitale Fotografie 4/2018
S. 132
Manuell fokussieren
Aufmacherbild

Manuell Scharfstellen trotz Autofokus

Der Autofokus moderner Kameras ist schnell und zuverlässig. Warum sollte ich da noch manuell scharfstellen. Bernd Kieckhöfel beleuchtet das Thema einmal von Grund auf. Welche Gründe gibt es für den Handbetrieb? Welche Kameras und welche Objektive eignen sich wie und wofür? Welche Hilfsmittel gibt es? Und wie klappt die Praxis?

Kameras mit integriertem Autofokus markierten in den 1980er Jahren einen Meilenstein für die analoge Fotografie und heute ist die Funktion selbst in einfachen Smartphones eine Selbstverständlichkeit. Dennoch gibt es ein reichhaltiges Angebot moderner Objektive, die sich rein manuell bedienen lassen. Trotz des Komfortverlustes rufen Hersteller und Anbieter zum Teil Premiumpreise für solche Optiken auf. Gleichzeitig gibt es offensichtlich auch eine Kundschaft, die gerne bereit ist diese zu zahlen. Dabei sieht der Betrachter einem Bild nicht an, wie es fokussiert wurde. Und nur wenige werden die Luxus-Linse anhand des Ergebnisses identifizieren und ihren Besitzer dafür bewundern oder beneiden.

Doch was spricht dann für ein manuelles Objektiv? Das beginnt bereits dann, wenn die Kamera allein entscheiden darf, worauf sie scharfstellt. Gerne zielt sie dann aufs Nächstgelegene und das muss nicht dem vom Fotografen Beabsichtigten entsprechen. Wer den Autofokus auf ein einzelnes Feld begrenzt und dieses manuell an die gewünschte Stelle bugsiert, kommt dem Ziel bereits näher. Jedoch führt auch dieser Weg nicht immer zum Erfolg. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen sind nicht alle Autofokuspunkte einer Spiegelreflexkamera gleich empfindlich und treffsicher. Zum anderen decken sie nicht jede gewünschte Stelle im Bild ab. Häufig schwenkt man die Kamera dann zum nächstbesten Fokuspunkt, hält den Auslöser halb gedrückt, um die Fokussierung zu speichern, schwenkt zurück, bis der Bildausschnitt wieder passt und drückt ab. Die Methode ist altbewährt, doch mit lichtstarken Objektiven bei Offenblende und geringem Abstand zum Motiv reicht die Schärfentiefe nicht immer aus, um den anvisierten Punkt scharf abzubilden.

Spiegellose Kameras geben sich in dieser Hinsicht weniger wählerisch. Ihre Autofokuspunkte decken ein deutlich größeres Bildfeld ab und erlauben dem Fotografen sogar, die Größe des Messbereichs zu bestimmen. Wählt man ihn zu groß, schießt die Kamera bisweilen über das anvisierte Ziel hinaus und liefert stattdessen einen gestochen scharfen Hintergrund.