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Windows 10 Insider Preview Build 18836 (20H1) – Gruß aus der ferneren Zukunft

Microsoft hat überraschend eine Insider Preview für Windows 10 aus dem Entwicklungszweig 20H1 für Tester im Skip-Ahead-Ring freigegeben. Hier eine Einordnung.

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Microsoft ist immer wieder für Überraschungen gut: Als das Unternehmen am 14. Februar 2019 die Windows 10 Insider Preview Build 18836 ankündigte und die Angabe 20H1 danebenstand, rieben sich manche Beobachter verwundert die Augen oder glaubten an einen Tippfehler. Denn der Zusatz 20H1 signalisiert, dass es sich um eine Insider Preview aus einem Entwicklungszweig handelt, der erst im Frühjahr 2020 in ein Funktionsupdate münden soll. Dazu muss man wissen, dass Microsoft aktuell daran arbeitet, den Entwicklungszweig 19H1 als Funktionsupdate für Windows 10 V1903 freizugeben, was vermutlich im April 2019 passieren dürfte.

Um die Angabe 20H1 zu verstehen, sollte man sowohl die Testringe im Windows-Insider-Preview-Programm als auch die verschiedenen Windows-10-Entwicklungszweige kennen. Teilnehmer am Windows-Insider-Programm erhalten im Fast-Ring aktuell Builds aus dem Entwicklungszweig 19H1. Der sogenannte Skip-Ahead-Ring ermöglicht Windows Insidern den aktuellen Entwicklungszweig zu überspringen und bereits freigegebene Insider Preview Builds aus der übernächsten Windows-10-Version zu testen.

Microsoft öffnet dazu den Skip-Ahead-Ring jeweils nur für kurze Zeit, meist einige Wochen vor Freigabe einer neuen Windows-10-Version, und lässt nur eine bestimmte Anzahl an Testern zu. Vor einigen Wochen wurde der Skip-Ahead-Ring geöffnet, am 1. Februar 2019 schloss Microsoft die Teilnahme aber bereits wieder, da das Kontingent für Tester erreicht war.

Aus bisherigen Erfahrung war zu erwarten, dass Teilnehmer am Skip-Ahead-Ring Insider Preview-Builds aus dem 19H2-Entwicklungszweig erhalten. Dieser Zweig soll ja im Herbst 2019 in die übernächste Windows 10-Version münden.

Mit der Freigabe der Insider Preview Build 18836 macht Microsoft aber einen extrem großen Sprung. Diese Build stammt aus dem 20H1-Entwicklungszweig, der erst im Frühjahr 2020 in eine neue Windows 10-Version münden sollen. Microsoft überspringt im Skip-Ahead-Ring also einen kompletten Entwicklungszyklus. Das Unternehmen schreibt dazu in seiner Ankündigung: "Einige Dinge, an denen wir in 20H1 arbeiten, erfordern eine längere Vorlaufzeit." Warum man aber schon ein Jahr im Voraus Entwicklerbuilds an Insider verteilen muss, verrät Microsoft nicht.

Das Vorpreschen im Skip-Ahead-Ring in Richtung 20H1-Entwicklungszweig hat aber einige Implikationen zur Folge: Da der Skip-Ahead-Ring nun mit Builds aus dem Entwicklungszweig 20H1 belegt ist, ist er für Builds aus dem Entwicklungszweig 19H2 blockiert. Microsoft stellt diese Builds daher solange zurück, bis der Entwicklungszweig 19H1 als Windows 10 V1903 für die Öffentlichkeit freigeben wurde. Erst dann wird der Fast Ring für die Verteilung der Insider Preview Builds aus dem Entwicklungszweig 19H2 wieder frei.

An dieser Stelle stellt sich einem Beobachter daher die Frage nach dem Sinn des Ganzen. In der Ankündigung der Build 18836 sind nämlich nur einige marginale Verbesserungen sowie etwas mehr als eine Handvoll bekannte Probleme, aber keine neuen Funktionen beschrieben. Auffällige Neuerungen hat Microsoft in dieser Build nicht zu bieten.

Andererseits: Windows-Insider, die vor Wochen für den Skip-Ahead-Ring optierten, konnten nicht wissen, dass Microsoft dort Builds aus dem 20H1-Entwicklungszweig einstellt. Vielmehr mussten die Tester davon ausgehen, dort bald Builds aus dem 19H2-Entwicklungszweig zu erhalten. Viel Feedback und große Lust zum Testen kann Microsoft unter diesem Blickwinkel von den Windows-Insidern für diese Build wohl eher nicht erwarten. Möglicherweise meint das Unternehmen auf diese Weise seine Tester bei Laune halten zu können. Auf Twitter äußern einige Nutzer allerdings ihre Zweifel am Sinn dieser Aktion.

(tiw)