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Security-Guru Schneier: Ingenieure in die Politik

Zur Münchener Sicherheitskonferenz, die am Freitag beginnt, erneuert Bruce Schneier sein Plädoyer für mehr politische Einmischung in die Netz-Ökonomie.

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Bruce Schneier in München.

(Bild: heise online/Ermert)

Security-Guru Bruce Schneier hat noch Hoffnung: Europas Datenschutzgrundverordnung könnte sich als Keimzelle dringend notwendiger Veränderungen für das Netz erweisen, meinte der Sicherheitsexperte am Freitag auf einer Veranstaltung im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz. "Die DSGVO ist nicht perfekt, aber es ist ein guter erster Aufschlag der Politik", sagte Schneier, der seit einiger Zeit die Trommel für eine "smarte Regulierung“ des Netzes rührt. Wichtig sei, dass deutlich mehr Technikexperten sich der Politik annehmen.

Für Schneier ist die Frage nicht mehr, ob man das Netz regulieren will oder nicht. Es ginge nur noch um kluge oder dumme Politik, sagte der Sicherheitsexperte. "Wenn ich das in den USA sage, flippen die Leute aus." In Europa gebe es dafür deutlich mehr Verständnis. Trotzdem ist Schneier auf kurze Sicht erstmal pessimistisch. Schlechte Regulierung wie die jüngste Urheberrechtsnovelle in der EU, könne man kaum verhindern. Langfristig aber bleibe er Optimist.

Politik müsse sich mehr mit den technischen Grundlagen auseinandersetze, fordert Schneier. Darüber hinaus müssten viel mehr Techniker in die Politik gehen, als Mitarbeiter in den politischen Institutionen, aber auch bei Nicht-Regierungsorganisationen. Bislang habe man sich bevorzugt an die Ökonomen gewandt, wenn man wissen wollte, wie viel Regulierung notwendig sei. Angesichts eines von Technologie durchsetzten Alltags sei die Frage heute nicht mehr, wie viel man dem Markt überlassen wolle, sondern wie viel der Technologie, und unter welchen Regeln.

Die Entwicklung allein dem Markt zu überlassen, habe den zuletzt von seiner Harvard Kollegin Shoshana Zuboff beschworenen "Surveillance Capitalism“ hervorgebracht. Große Unternehmen und der Staat, nach dem Schneier nun ruft, arbeiten dabei Hand in Hand. "Google will nicht, dass du überwachbar ist, außer durch Google selbst. Die US-Regierung will nicht, dass du überwacht wirst, außer durch sie selbst". Wie der den Überwachungskapitalismus nährende Staat die Kurve kriegen kann, darauf hat Schneier auch keine schnelle Antwort.

Die Medienkompetenz zu stärken hält Schneier auch nicht für eine Lösung. "Es ist unser Job, die Sachen so sicher zu machen, dass der normale Nutzer sicher ist", unterstrich der Security-Guru. Wenn er morgen wieder ins Flugzeug steige, "checke ich den Motor nicht, ich schaue nicht nach Software-Updates und ich prüfe auch nicht, ob der Pilot seine Fortbildungen besucht hat." Das alles regelt der Staat, damit man sicher reisen kann. Schneier: "Warum soll das Internet die Ausnahme sein?" (vbr)