Menü

Pretty Good Privacy: Phil Zimmermann wird 65

Phil Zimmermann entwickelte in den 90ern mit PGP eines der ersten Verschlüsselungsprogramme für PC und andere Kleinrechner.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 27 Beiträge

Phil Zimmermann auf der SHA 2017

(Bild: heise online/Borchers)

Wie kann man sich mit einfachen Mitteln gegen die Überwachung durch den militärisch-industriellen Komplex zu Wehr setzen? Diese Frage diskutierten Atomwaffengegner, die sich angesichts des NATO-Doppelbeschlusses für weltweite Abrüstung und gegen die US-Militärpolitik engagierten. Unter ihnen war der junge Phil Zimmermann, der als studierter Informatiker seinerzeit als Softwareentwickler in Colorado arbeitete. Seine Antwort war Pretty Good Privacy (PGP), ein Programm für Homecomputer, das Texte verschlüsseln konnte.

Heute wird Phil Zimmermann 65 Jahre alt.

PGP beruhte auf der asymmetrischen Kryptografie, die erstmals von den US-Amerikanern Whitfield Diffie und Martin Hellman vorgetragen wurde. Seine erste eigene Entwicklung von PGP war fehlerhaft, doch Zimmermann übereignete die Entwicklung den engagierten Aktivisten, die seinen Algorithmus verbesserten. PGP wurde zur Verschlüsselung von E-Mails umgebaut und 1991 freigesetzt. Das Programm verbreitete sich international recht schnell – nicht zuletzt wegen der Klage des US-Zolls gegen Zimmermann, unerlaubte Waffenexporte durchzuführen. Das führte dazu, dass der ausgedruckte Source-Code von PGP 1997 legal als Buch exportiert und wieder eingetippt wurde.

Nachdem die Klage gegen Zimmermann fallen gelassen wurde, gründete dieser die Firma PGP, die bald aufgekauft wurde. Er arbeitete zeitweilig als Berater für Verschlüsselungsfragen mit, unterrichtete aber auch an Universitäten. Für seinen Aktivismus und Optimismus erhielt er viele internationale Auszeichnungen. In Deutschland war Zimmermann Festredner bei der Gründung des Horst Görtz Institutes für IT-Sicherheit an der Universität Bochum.

In den vergangen Jahren beschäftigte sich Phil Zimmermann mit abhörsicherer Telefonie. Dafür gründete er Firma Silent Circle und zog in die Schweiz, wo er zehn Jahre lang lebte. Heute arbeitet Zimmermann im Zfone-Projekt mit und lehrt an der TU Delft in den Niederlanden.

Hier hatte er zur Eröffnung des Hackercamps SHA im Jahre 2017 einen großen Auftritt, bei dem er seinen auch hinter PGP stehenden Ansatz verteidigte, als er gefragt wurde, mit welcher Hardware- oder Software man sich gegen die Gesichtserkennung wehren könnte: "Klar kann man sich das Gesicht bemalen oder lustige Brillen nutzen oder Infrarot-LEDs, die die Kameras anblitzen. Doch eine Antwort muss von der Zivilgesellschaft kommen und für alle Bürger gelten, nicht nur für Hacker. Das ist eine politische, keine technische Frage." Wir gratulieren.

Siehe dazu auch:

(vbr)