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Lego Hidden: Mit AR-Spielsets auf Geisterjagd

Legos neue Spielsets sollen mit Augmented Reality die Fantasie der Spieler anregen. Heise online konnte sich "Lego Hidden" bereits ansehen.

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(Bild: Lego)

Lego hat die Augmented Reality für sich entdeckt: Nach dem eher experimentellen Lego AR Playgrounds hat das Unternehmen mit Lego Hidden nun ein erstes vollwertiges AR-Produkt vorgestellt. Hidden kombiniert Steinchen-Sets mit einer Handy-App und lässt Nutzer auf beiden Ebenen interaktiv spielen: Man sucht Hinweise, absolviert Rätsel sowie Mini-Spiele und bekämpft Gespenster. Bei einer Vorführung konnte heise online bereits einen Blick auf das AR-Spiel werfen.

Die kostenlose Lego-App scannt Bausets der Hidden-Reihe und strickt auf dem Handy-Display vorgefertigte Umgebungen um die Steinchen. Der gruselige Friedhof wird mit Gräbern und Bäumen erweitert, die spukende Schule bekommt eine Bushaltestelle und ominöse Vogelschwärme verpasst. Klassische Lego-Bausets lassen sich grundsätzlich nicht scannen. Die App überprüft die Form der Sets und baut erst dann eine Umgebung auf, wenn eine Übereinstimmung gefunden wurde. Das bedeutet auch, dass die Freiheit beim Aufbau der Sets etwas eingeschränkt ist – man sollte sich also an die Vorlage halten.

Die Mystery-Thematik der Hidden-Sets ist ein cleverer Kniff von Lego. Sie hilft Kindern, die mentale Barriere zwischen Bauset und Handy-Bildschirm zu überbrücken: Geister sieht man natürlich in der echten Welt nicht, aber auf dem AR-Display – warum nicht? "Uns hat wirklich überrascht, wie bereitwillig die Kinder in unseren Tests die Geister-Erklärung akzeptiert haben. Für sie macht das mit dem Handy wirklich Sinn", sagte Roberto Marchesi, Design-Chef von Legos Creative Play Lab, bei einer Vorführung zu heise online.

Tatsächlich ist die AR-Darstellung bei Lego Hidden gut gelungen. Die Bausets fügen sich perfekt in die Umgebungsgrafik ein, die ebenfalls im Klötzchen-Stil gehalten ist. Wehendes Laub, huschende Lego-Mäuse und stimmungsvolle Wettereffekte tragen zusammen mit der Audio-Untermalung zur wohlig-gruseligen Atmosphäre bei. Auch das eigentlich statische Lego-Set bewegt sich auf dem Bildschirm. Durch die starken Animationen wirkt das Geschehen auf dem Display lebendig, ohne dabei den Lego-Charme zu verlieren.

Auf dem Vorführ-Handy – ein iPhone der X-Generation – lief Lego Hidden einwandfrei flüssig, ältere Handys könnten aber Probleme bekommen: Marchesi empfiehlt ein Handy auf dem Hardware-Niveau des Galaxy S7. Grundsätzlich läuft Lego Hidden auf Handys und Tablets mit iOS und Android, zu den unterstützten Versionen konnte Marchesi noch keine Angaben machen.

Die Bausets der Hidden-Reihe sind speziell für die AR entworfen. Sie haben kleine Verstecke, Drehschalter und andere Interaktionspunkte, die sich physisch aktivieren lassen und sich dann auf das AR-Geschehen auswirken. Im Labor des verrückten Wissenschaftlers kann man Glasbehälter umstellen, auf dem Friedhof die Gräber durchwühlen und in der Schule Geheimkammern öffnen. Lego-Figürchen wollen außerdem an den richtigen Stellen platziert werden, um am Geschehen teilnehmen zu können.

"Hidden" – AR-Spielsets von Lego (5 Bilder)

Legos Hidden-App versetzt die Bausets in eine Augmented Reality – mit passenden Umgebungen und Soundeffekten.
(Bild: heise online)

Auf dem Smartphone sammelt man dann Ressourcen, scannt Gegenstände und Personen (ist der Wissenschaftler etwa von einem Geist besessen?) und absolviert kleine Minispiele. Häufig musste man bei der Vorführung mit dem richtigen Timing auf einen rotierenden Ring drücken, um Aktivierungspunkte zu treffen. Auf dem Display tauchen auch immer wieder Objekte auf, die man schnell antippen muss. Hat man erfolgreich ermittelt, offenbart sich der Plagegeist, den es dann im Shooter-Stil an den Kragen geht.

Die Minispiele sind simpel gestaltet, bei der Präsentation gab es außerdem nur recht wenige zu sehen. Alle Änderungen am physischen Spielset muss der Nutzer ausführen – es gibt also keine Mechaniken, die vom Handy ausgelöst würden.

Zufallselemente beim Ablauf der Spiele sollen Wiederholungsdurchgänge abwechslungsreich gestalten. Damit man nicht gleich alles gesehen hat, sollen mit der Zeit neue Spielelemente hinzugefügt werden, auch der Schwierigkeitsgrad soll steigen.

Für Lego ist das AR-Spielen aber auch eine wertvolle Erfahrung, wenn man die App nur kurz nutzt, sagt "Durch das Spielen auf dem Display wird die Fantasie der Kinder angeregt. So können sie später dann auch ohne AR-App mehr Spaß mit den Sets haben." Demnach sollen die AR-Spiele Kinder ans Thema heranführen und die Mechanismen der Spielsets demonstrieren, anhand derer sie dann ohne AR-Unterstützung eigene Spielideen entwickeln können.

Die Hidden-App hat außerdem eine Meta-Ebene, auf der man möglichst viele verschiedene Geister sammeln muss und mit der Zeit neue Fähigkeiten freischaltet. Das soll für mehr Langlebigkeit sorgen. Außerdem hat die Anwendung einen alternativen Spielmodus, der ganz ohne Sets und AR funktioniert. Diesen Modus konnte heise online noch nicht anschauen.

Lego will die Hidden-Bausets im Sommer 2019 auf den Markt bringen. Zum Start sollen acht Sets angeboten werden, die zwischen 20 und 120 Euro kosten und sich an Kinder ab 7 Jahren richten. Die App Lego Hidden ist kostenlos, sie unterstützt alle acht Sets. Mikrotransaktionen seien derzeit nicht geplant, sagte Marchesi heise online.

Pläne, weiterhin mit AR zu arbeiten, hatte Lego-Chef Niels Christiansen im Februar der dpa mitgeteilt. "Man muss den Wandel als Chance sehen."Das physische Spielen werde durch die Technik nicht ersetzt: "Kinder mögen beides, in ihrer Welt verschmilzt analoges und digitales Spielen."

Hinweis: Der Hersteller hat den Autor zu einer Präsentation nach London eingeladen und die Reisekosten übernommen. (dahe)