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Gerichtliche Anordnung zum iPhone-Entsperren: Apple-Chef Tim Cook widersetzt sich

Tim Cook hat sich ungewöhnlicherweise in einem offenen Brief an die Kunden gewandt. Darin begründet er, warum sich das Unternehmen weigert, dem FBI mit einer Hintertür bei Ermittlungen zu helfen.

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Gerichtliche Anordnung zum iPhone-Entsperren: Apple-Chef Tim Cook widersetzt sich

Tim Cook

(Bild: Apple, Archivbild)

Nachdem ein US-Gericht angeordnet hat, Apple müsse die Ermittler dabei unterstützen, das iPhone eines Attentäters zu entsperren, hat sich Apple-Chef Tim Cook persönlich zu Wort gemeldet. In einem "Brief an die Kunden" schreibt er, sein Unternehmen widersetze sich der Anordnung, weil sie weit über den eigentlichen Fall hinausgehende Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Die Ermittler verlangten zwar nur, zu einem einzigen iPhone eine Hintertür zu schaffen, schreibt Cook. Doch gehe es ihm um ein generelles Problem: Wenn eine solche Software einmal entwickelt worden sei, könne sie immer wieder angewendet werden – gewissermaßen als eine Art Generalschlüssel. Der Schlüssel zu einem System sei nur so sicher wie der Schutz, der ihn umgibt. Wenn das Wissen, wie er ausgehebelt werden könne, verraten worden sei, könnten alle mit diesem Wissen die Verschlüsselung knacken.

"Wir waren schockiert und entsetzt über den terroristischen Akt in San Bernardino im vorigen Dezember", schreibt Cook. Zwei Attentäter hatten dort 14 Menschen getötet und 21 verletzt. Apple habe dem FBI alle Daten in seinem Besitz übergeben, um die das Unternehmen in angemessenem rechtlichen Rahmen gebeten worden sei. Auch hätten Apple-Techniker das FBI beratend zur Seite gestanden.

Das FBI habe Apple aber dann aufgefordert, eine Version des iPhone-Betriebssystems zu programmieren, in dem einige wesentliche Sicherheitsvorkehrungen umgangen werden sollten, und dies auf dem iPhone eines Attentäters zu installieren. Diese Software – die noch nicht existiere – könnte potenziell jedes iPhone entsperren. Jahrzehnte der Bemühungen um Sicherheit, von der Millionen US-Bürger profitierten, wären dann hinfällig, meint Cook.

Der Apple-CEO befürchtet auch, das FBI könne einen Präzedenzfall schaffen. Es berufe sich auf den "All Writs Act of 1789", um seine Kompetenzen auszuweiten. Falls sich der Staat einmal damit durchsetze, könne er die Macht erlangen, auf die Daten jedes Geräts zuzugreifen, seien es private Nachrichten oder auch Gesundheitsdaten.

Der Apple-CEO hatte sich öfters zu dem Thema Verschlüsselung und Hintertüren für Strafverfolger geäußert. Im Dezember meinte er beispielsweise, Datenschutz und nationale Sicherheit seien nicht gegensätzlich.

[Update 17.02.2016 13:15]:

Wie das Entsperren eines iPhones gegen den Willen seines Besitzers gelingen kann, zeigte c't bereits 2011 in einem Test. Die Szenarien zur Ermöglichung einer Brute-Force-Attacke, für die ein manipuliertes System auf das iPhone aufgespielt wird, müssen natürlich jeweils auf die eingesetzte Version von iOS angepasst werden: Der demonstrierte Angriff gelingt über eine Sicherheitslücke im damals aktuellen iOS 4; im aktuellen Fall müsste Apple ein passendes System-Image erstellen und digital signieren:

(anw)