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DNA-Analysefirma gestattet FBI Nutzung des Datenbestands

Family Tree DNA hilft dem FBI freiwillig beim Aufklären von Kriminalfällen und nutzt dazu seine Gendatenbank. Ein Problem sieht die Firma darin nicht.

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DNA-Analysefirma gestattet FBI Zugriff auf Datenbestand

(Bild: pixabay.com)

Eines der größten Unternehmen für private DNA-Tests, Family Tree DNA, hat zugegeben, bereits seit 2018 dem FBI freiwillig die Nutzung der eigenen DNA-Datenbank zu gestatten. Das US-amerikanische Unternehmen wolle damit beim Aufklären von Kriminalfällen helfen, berichtet BuzzFeed.

Das FBI könne nicht frei in der Datenbank von Family Tree DNA suchen, schreibt BuzzFeed, die Firma nehme jedoch seit Herbst vergangenen Jahres DNA-Proben auf Basis einzelner Fälle entgegen und gleiche diese – ohne Kenntnis ihrer Kunden – mit der Datenbank ab. Einen Vertrag mit dem FBI über diese Zusammenarbeit gebe es nicht, jedoch hat das Unternehmen im Dezember 2018 seine Geschäftsbedingungen entsprechend angepasst.

Family Tree DNA habe dem FBI bis heute in weniger als 10 Fällen geholfen, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Beim Abgleich mit der Datenbank könnten direkte Treffer oder auch Verwandschaftsbeziehungen zur vorliegenden DNA-Probe ermittelt werden.

Durch die Zusammenarbeit hat das FBI indirekt Zugriff auf mehr als eine Million DNA-Profile von Privatpersonen, die ihre genetischen Informationen dem Unternehmen anvertraut haben. Family Tree DNA nimmt bereits vorhandene Gen-Informationen entgegen und verkauft auch Sets, mit denen Kunden eine Genprobe nehmen und zur Analyse zurücksenden können.

Auf Nachfrage von BuzzFeed verteidigte das Unternehmen die Zusammenarbeit mit dem FBI: Man könne mit der eigenen Plattform helfen, Kriminalfälle schneller als je zuvor zu lösen. Außerdem könnten Kunden per Opt-out dem Auffinden ihrer Gendaten widersprechen – ein nicht mehr auffindbarer Eintrag würde jedoch dem Zweck widersprechen, darüber etwa Verwandtschaftsbeziehungen aufzuklären.

Außerdem sieht Family Tree DNA auch nicht seine Privatsphäre-Bestimmungen verletzt. Die Zusammenarbeit mit dem FBI sei in etwa so, als würde die Behörde ein Nutzerkonto bei der Firma anlegen und mit einem eigenen DNA-Profil nach Treffern suchen.

Im Jahr 2017 war der Mutterkonzern von Family Tree DNA per Gerichtsbeschluss gezwungen worden, Informationen zu einem als "Golden State Killer" bekannt gewordenen Kriminalfall herauszugeben. Der Datenschutz von DNA-Analysefirmen war bereits in die Kritik geraten, weil die Geschäftsbedingungen einen Weiterverkauf der Informationen zulassen.

(tiw)