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Bitkom: IT-Branche schafft tausende neue Arbeitsplätze - und beklagt massiven Fachkräftemangel

Der Digitalverband Bitkom meldet ein Rekordwachstum im Arbeitsmarkt der Branche mit 45.000 zusätzlichen Jobs in 2017. Das Plus hätte noch deutlich höher ausfallen können, wenn es mehr IT-Experten gäbe.

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Büro, Arbeitsplätze

(Bild: Heise)

Die Branche für Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) ist weiter auf Wachstumskurs. "Wir kommen mit 2,2 Prozent Umsatzwachstum aus dem Jahr 2017", freute sich Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom, am Mittwoch in Berlin über gute Zahlen der Mitgliedsunternehmen. Auch für 2018 erwarteten die Firmen wieder eine stabile Konjunktur mit einem Wachstum von 1,7 Prozent auf 164 Milliarden Euro. Berg betonte bei dem Konjunkturausblick: "Die Stimmung ist so gut wie lange nicht mehr." Vor allem die Auftragsbücher von Software-Anbietern und IT-Dienstleistern seien voll.

Als "wirkliche Erfolgsgeschichte" bezeichnete es Berg, dass die ITK-Branche im vorigen Jahr rund 45.000 neue Arbeitsplätze geschaffen habe. Dies sei der historisch stärksten Beschäftigungszuwachs innerhalb eines Jahres. Für 2018 rechnet der Bitkom hier mit einem Plus von 42.000 Stellen. Damit wären zum Jahresende gut 1,1 Millionen Menschen in dem Boomsektor beschäftigt, was einem Anstieg um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.

Bitkom-Geschäfsführer Bernhard Rohleder (links) und Bitkom-Präsident Achim Berg (rechts) kamen während der Präsentation der ITK-Branchenzahlen immer wieder auf den Fachkräftemangel zu sprechen.

(Bild: Stefan Krempl / heise online)

"Der Stellenzuwachs könnte höher ausfallen", gab der Bitkom-Chef aber zu bedenken. Drei von vier Unternehmen wollten 2018 neue Jobs schaffen, nur drei Prozent planten einen Personalabbau. Das große Problem sei seit Jahren: "Wir haben einfach zu wenig Fachkräfte." 55.000 Arbeitsplätze seien in der Branche nicht besetzt, die Lücke gehe "eher auf statt zu". Vor allem im Bereich Datenanalyse und Cloud Computing sei der Arbeitsmarkt "wie leergefegt". Bitkom-Geschäfsführer Bernhard Rohleder ergänzte: "Wir suchen auch Bindestrich-Informatiker mit Kernkompetenzen in anderen Bereichen wie in der Medizintechnik."

"Wir sehen hier deutlichen Handlungsbedarf, müssen in vielen Dingen digitaler rangehen", betonte Berg. Er schaue hier "auf die Politik und die Unternehmen". Wichtigster Punkt für ihn ist die digitale Bildung. Er begrüßte daher, dass die große Koalition nun den mehrfach angekündigten Digitalpakt mit fünf Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren unterfüttern wolle. Nötig seien aber auch neue Lehrstühle, wo der Bitkom allein 40 Professuren für Künstliche Intelligenz (KI) an zehn deutschen Universitäten fordert. Auch die Weiterbildung in den Firmen sei wichtig, zudem müsse die Politik "den Markt für ausländische Arbeitskräfte attraktiver machen" und die Zuwanderung entsprechender Spezialisten erleichtern.

Ein eigenständiges Digitalministerium hält Berg im Einklang mit Schwarz-Rot für keine gute Idee. "Derzeit kümmern sich vier Ministerium um das Digitalthema. Wenn man ein eigenes schafft, höhlt man andere aus", begründet er diese Position. Der Verbandschef sprach sich aber dafür aus, einen Staatsminister für Digitales zur Koordination im Bundeskanzleramt zu schaffen. Gerade erst hat der Bitkom mit anderen Verbänden eine Petition unterzeichnet, die es etwas strikter formuliert und die Einrichtung eines Digitalministeriums fordert. Der Bitkom meint damit aber ebenfalls einen Staatsminister, Berg ließ sich von der Initiative mit den Worten zitieren: "Wir brauchen einen Staatsminister für Digitales – mit mehr als einem Klingelschild. Dieser Minister braucht Rechte und Ressourcen. Unter anderem sollte er einen Digitalvorbehalt bei allen Gesetzesvorhaben ausüben und bestehende Gesetze hinsichtlich ihrer Digitalverträglichkeit prüfen."

Um die Misere beim E-Government zu beenden, warb Berg dafür, "den analogen Bruch" in der Verwaltung abzuschaffen. Heute sei es noch immer erforderlich, ein digital beantragtes Führungszeugnis noch einmal auszudrucken, zu unterschreiben und wieder einzuscannen. Das "Schriftformerfordernis" müsse entsorgt werde, damit bald alle Dienstleistungen der Behörden digital angeboten werden könnten. Fraglich sei auch hier, ob der Bund und die Länder die für die Verwaltungsdigitalisierung benötigten Fachkräfte fänden.

Datenschutz und -sicherheit wertete der Bitkom-Chef als "ernst zu nehmende Themen", die auch Arbeitsplätze bringen könnten. Dabei sei es aber auch wichtig, "die Industrie nicht mit überhöhten Anforderungen zu bremsen". Laut Rohleder sind angesichts der kommenden EU-Datenschutzverordnung momentan einschlägige Berater "einer der größten Mangelberufe". Wirtschaftlich habe die Reform sonst wohl "keine direkten Auswirkungen". Die geplante "deutlich schärfere" E-Privacy-Verordnung könnte dagegen einen "kleinen konjunkturellen Dämpfer geben", da damit etwa Verkehrssteuerungssysteme ohne Anonymisierung nicht mehr installiert werden dürften.

Das 2018 erwartete Umsatzplus geht dem Verband nach vor allem auf das Konto der IT. Dieser Bereich soll um 3,1 Prozent auf 88,8 Milliarden Euro anwachsen, getrieben vor allem vom Segment Software, das um 6,3 Prozent auf 24,4 Milliarden Euro zulegen dürfte. der Bereich IT-Dienstleistungen, in den etwa das Projektgeschäft und IT-Beratung fallen, wächst den Erwartungen zufolge weiter überdurchschnittlich stark und erreicht ein Plus von 2,6 Prozent auf 40,0 Milliarden Euro. Der Markt für Server, PCs und Laptops soll leicht schwächeln, was die Umsätze mit Speichersystemen und Tablets aber auffangen könnten.

Gedämpfter soll das Wachstum um 0,4 Prozent auf 65,9 Milliarden in der Telekommunikation ausfallen. Das kleine Plus wird vor allem noch von Smartphones getrieben, die 90 Prozent der hier verkauften Endgeräte ausmachen. Zugleich ersetzen sie aber vermehrt Kameras und separate Abspielgeräte für Videos, sodass der Bitkom für die Unterhaltungselektronik für 2018 mit einem Umsatzminus von 1,9 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro rechnet. Ein Grund dafür sei auch, dass es gerade keine neuen Generationen von Spielekonsolen gebe.

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

[Update 14.02.2018 – 15:50 Uhr] Die Zahl der insgesamt in dem ITK-Sektor Beschäftigten wurde korrigiert. (Stefan Krempl) / (jk)

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