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Audio-Standard der WHO soll junge Menschen vor Hörschäden schützen

1,1 Milliarden junge Menschen stehen vor dem Risiko bleibender Hörschäden. Der WHO-ITU-Standard für Audiogeräte soll das verhindern. Er ist jedoch freiwillig.

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Schwarzes Mädchen mit Kopfhörern

(Bild: Steven Depolo CC-BY 2.0)

Ein neuer Standard soll junge Menschen vor Hörschäden durch das Konsumieren von lauter Musik schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Fernmeldeunion (ITU) hoffen, dass Regierungen und Hersteller den WHO-ITU H.870-Standard in Zukunft in mobile Audio-Geräte wie Smartphones freiwillig integrieren.

Laut WHO lässt der Standard den Nutzer selbst entscheiden, ob er gesundheitsbewusst Musik hört oder nicht. Damit die Entscheidung auf fundierten Informationen aufbaut, misst ein Programm die Lautstärke und Dauer des Musikkonsums und vergleicht diese prozentual mit Referenzangaben. Daraus wird ein persönliches Hör-Profil des Nutzers erstellt, über welches er erfährt, wie gesund oder ungesund seine Angewohnheiten sind. Eine Einstellung ermöglicht es, die Lautstärke zu limitieren. Auch für Eltern sollen Kontrollfunktionen geschaffen werden. Zusätzlich erhält der Nutzer Informationen über ein gesundheitsfreundliches Hörverhalten im Alltag und bei Freizeitaktivitäten.

Die WHO sieht 50 Prozent aller Menschen zwischen zwölf und 35 Jahren als gefährdet an, ihr Hörvermögen durch Beschallung mit lauten Geräuschen zu verlieren. Musikkonsum trägt dazu bei. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus möchte dabei vor allem das Verständnis der jungen Menschen dafür wecken, dass ein einmal verlorenes Hörvermögen nicht mehr zurückkommt. Sie sollen daher bei den Aktivitäten, die ihnen Freude machen, besser geschützt werden.

Fünf Prozent der Weltbevölkerung leidet bereits an irreversiblem Hörverlust. In absoluten Zahlen sind das 466 Millionen Menschen, davon 34 Millionen Kinder. Sie erdulden damit einen entscheidenden Einschnitt in ihre Lebensqualität. Betroffen sind überwiegend Menschen in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen. Die WHO schätzt, dass bis 2050 die Zahl der Hörgeschädigten auf 900 Millionen ansteigt. Das würde bedeuten, dass jeder zehnte Mensch betroffen ist. Aktuell erzeugt nicht angesprochener Hörverlust weltweit Kosten von 750 Milliarden US-Dollar. (cbr)