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Autonome Autos: Apple-Testfahrer mussten häufig Steuerung übernehmen

Apple hat erste Zahlen zu autonomen Testfahrten vorgelegt und auffällig hohes menschliches Eingreifen dokumentiert. Das Unternehmen ändert die Zählweise.

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Selbstfahrendes Auto

Ebenso wie Googles Waymo testet auch Apple autonomes Fahren mit einer Flotte aus Lexus-SUVs.

(Bild: dpa, Andrej Sokolow)

Zum ersten Mal liegen Zahlen zu Apples Testfahrten mit autonomen Autos auf öffentlichen Straßen im US-Bundesstaat Kalifornien vor. Der iPhone-Konzern testete im Zeitraum des Berichtes sein "carOS" mit über 60 Fahrzeugen und legte knapp 130.000 Kilometer zurück, wie aus dem bei der kalifornischen Kraftfahrzeugbehörde (California Department of Motor Vehicles – DMV) eingereichten Bericht hervorgeht, der den Zeitraum von April 2017 bis November 2018 abdeckt. Die Fahrten wurden sowohl auf Highways als auch auf Stadtstraßen absolviert.

Im Meldezeitraum sei es zu gut 76.500 "Disengagements" gekommen, wie Apple ausführt. Die Zahl umfasst alle Vorfälle, bei denen der menschliche Testfahrer wieder das Lenkrad übernahm – im Durchschnitt also auf weniger als jedem zweiten zurückgelegten Kilometer. Gut 40.000 Mal haben Testfahrer manuell eingegriffen, teilte der Konzern mit – etwa aufgrund von Vorgaben oder nach eigenem Ermessen. In gut 36.000 Fällen sei es zu Software-Disengagements gekommen, das Steuerungssystem habe also die Kontrolle wieder an den Fahrer übergeben, etwa wegen eines Fehlers.

Ähnlich hohe Disengagements hatte im 2018er-Bericht nur der Fahrdienst Uber zu melden, das Unternehmen stoppte nach einem tödlichen Unfall sein Testprogramm autonomer Fahrzeuge für einen Großteil des Jahres 2018. Bei Waymo und GM Cruise war den selbstgemeldeten Zahlen zufolge ein Eingreifen des Fahrers im Durchschnitt erst nach 17.850 respektive 8330 zurückgelegten Kilometern erforderlich. Sowohl Waymo als auch GM Cruise legten insgesamt deutlich mehr Testkilometer zurück als Apple.

Die eigenen Zahlen zum Eingreifen des Testfahrers würden allerdings "zu viel einschließen", betonte Apple gegenüber der Behörde in einer Eingabe, deshalb habe das Unternehmen im Juli 2018 die Zählweise geändert und erfasse nun nur noch "wichtige Disengagements", die im Zusammenhang mit Sicherheit und Verkehrsregelverletzungen stehen. Nach Änderung der Zählweise habe die Testflotte gut 90.000 Kilometer zurückgelegt und dabei nur 28 "wichtige Disengagements" dokumentiert – zwei davon bei Unfällen, die durch den (menschlichen) Fahrer eines anderen Fahrzeuges verursacht wurden, wie Apple erklärt. Es wolle künftig auf diese Zählweise konzentrieren, schreibt das Unternehmen, die Sicherheit aller Straßenbenutzer stehe immer im Vordergrund.

Da es keine feste Definition für ein "Disengagement" gibt, sind die Zahlen nur schwer zu vergleichen und geben bedingt Aufschluss über Funktion und Sicherheit der Systeme: So fallen Disengagements mitunter auch im Rahmen spezifischer Testläufe an oder weil ein vorsichtiger Fahrer eine Situation für unsicher hält.

Apple hat erst im Frühjahr 2017 mit autonomen Testfahrten begonnen. Insgesamt testen inzwischen über 50 Unternehmen autonome Autos in Kalifornien. Apple startete mit drei Fahrzeugen, baute die Flotte aber extrem schnell aus und ist hinter GM Cruise und Googles Waymo inzwischen der drittgrößte Betreiber einer autonomen Flotte in Kalifornien. Apple setzt dafür auf SUVs von Lexus, die mit LiDAR-Technik und weiteren gängigen Sensoren ausgerüstet sind.

Die Arbeit an einem autonomen "Apple Car" wurde bislang nicht offiziell bestätigt. In Interviews betonte Konzernchef Tim Cook, autonome Systeme seien eine "Kerntechnik", deren Relevanz weit über den Fahrzeugsektor hinausreiche. Cook erwartet allerdings auch einen immensen Umbruch des Automarktes, der für Apple eine erhebliche Geschäftschance darstellen würde. (lbe)